Wie ein Elefant die Silberstadt Schwaz auf den Kopf stellte
Wenn du durch die Altstadt von Schwaz spazierst, kannst du mitten in der Fußgängerzone beim Blauen Haus einen Elefanten entdecken. Was im ersten Moment wie ein Scherz klingt – immerhin sind Elefanten in den Tiroler Alpen eher selten – hat einen total spannenden historischen Hintergrund. Dahinter steckt nämlich die Geschichte von Soliman, dem ersten indischen Elefanten, der jemals Tiroler Boden betretet hat,und dessen Spuren man in Schwaz bis heute sehen kann.
Ein kaiserliches Hochzeitsgeschenk zu Fuß über die Alpen
Alles begann im Jahr 1551 mit einem ziemlich außergewöhnlichen Geschenk: Der spätere Kaiser Maximilian II. (ein Enkel von Kaiser Maximilian I.) bekam den Elefanten Soliman vom portugiesischen König Johann III. als verspätetes Hochzeitsgeschenk. Das Tier sollte in die kaiserliche Menagerie nach Wien gebracht werden. Da es damals natürlich noch keine anderen Transportmöglichkeiten für so ein riesiges Wesen gab, hieß es für den Dickhäuter: Laufen.
Soliman wurde per Schiff nach Genua gebracht und musste von dort aus den gesamten Weg über die Alpen zu Fuß zurücklegen. Die Route führte ihn mitten durch Tirol und über den Brennerpass. Auf dem Weg durch Südtirol machte er auch in Brixen Station. Dort blieb der Elefant etwa zwei Wochen lang beim Wirt Andrä Posch. Für den Wirt war das die beste Werbung überhaupt. Er nannte sein Wirtshaus danach einfach „Gasthof zum Elefanten“ – daraus wurde das heutige, sehr bekannte Hotel Elephant in Brixen. Er ließ damals sogar ein großes Bild vom Elefanten an die Hauswand malen, das man heute noch in der Brixner Altstadt anschauen kann.
Das Riesenspektakel in den Gassen der Altstadt
Im Januar 1552 zog die Karawane dann schließlich durch das Inntal direkt nach Schwaz. Für die Menschen damals war die Durchreise des Elefanten ein absolut unvorstellbares Spektakel. Du musst dir vorstellen, dass die Bevölkerung so ein Tier noch nie im Leben gesehen hatte – weder in echt noch auf Bildern. Tausende Menschen strömten auf die Straßen von Schwaz und säumten die Gassen, um nur einen kurzen Blick auf dieses riesige, fremdartig wirkende Wesen zu erhaschen. Es war der absolute Ausnahmezustand in der Silberstadt. Die Berichte über den Dickhäuter gingen als Jahrhundertereignis in die alten Chroniken der Stadt ein.
Vom Gasthof „Zum Elefanten“ zum heutigen „Blauen Haus“

Weil diese Durchreise die Menschen so tief beeindruckt hatte, wollten die Schwazer die Erinnerung daran unbedingt festhalten. Genau wie an einigen anderen Stationen der Reise wurde deshalb ein Gasthof in der Altstadt nach dem prominenten vierbeinigen Gast benannt: der Gasthof „Zum Elefanten“. Er entwickelte sich schnell zu einem bekannten und beliebten Einkehrort.
Das Gebäude musste im Laufe der Jahrhunderte einiges mitmachen – zum Beispiel den verheerenden Stadtbrand im Jahr 1809 – und wurde im Inneren oft verändert und modernisiert. Auch wenn dort schon lange kein Wirtshaus mehr betrieben wird, ist das Gebäude heute ein absoluter Blickfang in der Schwazer Fußgängerzone. Die Einheimischen kennen es wegen seines auffälligen Fassadenanstrichs heute schlicht als das „Blaue Haus“. Wenn du also heute vor diesem farbenfrohen Haus stehst, blickst du direkt auf ein lebendiges Stück Kulturgeschichte und den Ort, an dem Soliman einst die Schwazer zum Staunen brachte – den Elefanten siehst du im Schild am Haus. Du findest es in der Franz-Josef-Straße – nur wenige Meter von der Stadtpfarrkirche entfernt.
Weiterführende Links
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